Schauacker für Ackerwildwidkräuter bei Landersdorf

Eröffnung mit zahlreichen Ehrengästen
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Herkunft und Bedeutung

Ackerwildkräuter begleiten uns Menschen seit dem Beginn des Ackerbaus in der Jungsteinzeit. Im damaligen Saatgut befanden sich unbeabsichtigt Samen von Ackerwildkräutern. Diese gediehen ebenso gut wie die Kulturpflanzen selbst. Die Beziehung zwischen Mensch und Ackerwildkräutern war immer zwiespältig. Einerseits wurden sie bekämpft, denn sie schmälerten den Ertrag der Kulturpflanzen. Andererseits benötigte man sie als Heilkräuter oder in Hungerszeiten als lebensnotwendige Nahrungsergänzung. Weniger offensichtlich sind die Folgen für den Boden. Die Wurzeln lockern ihn und erschließen Wasser und Mineralstoffe. Dies kann die Bodenerosion wirksam verhindern.

Ackerwildkräuter – ein Beitrag zur Artenvielfalt

Auf einem artenreichen Acker können etwa 80 verschiedene Wildkrautarten gedeihen. Jede Pflanze wird dabei von anderen Lebewesen genutzt, von Pilzen, Bakterien und Tieren, meist Insekten, aber auch von Wirbeltieren wie Vögeln. Manche schädigen die Ackerwildkräuter als Parasiten oder Pflanzenfresser. Andere fördern die Kräuter und leben mit ihnen zum gegenseitigen Nutzen zusammen. Pflanzenfresser sind Lebensgrundlage für Fleischfresser, die wiederum anderen Fleischfressern als Nahrung dienen. So entstehen komplexe Beziehungssysteme, an denen oft Hundert von Arten beteiligt sind. Fallen Ackerwildkräuter als grundlegende Nahrungsquelle aus, wird es für alle nachfolgenden Nutzer schwierig. Viele müssen abwandern, verhungern oder fallen Feinden zum Opfer. 

Gefährdung der Ackerwildkräuter

Aufgrund der Intensivierung der Landwirtschaft ging die einstige Vielfalt an Ackerwildkräutern stark zurück. Durch künstliche Mineraldünger wurden die Erträge von Feldfrüchten stark gesteigert, allerdings auf Kosten der schwachwüchsigen Ackerwildkräuter. Noch schlimmer wirken sich Herbizide aus. Diese vernichten viele Ackerwildkräuter direkt. Aktuell ist bayernweit rund ein Drittel aller Ackerwildkrautarten gefährdet oder bereits ausgestorben. Dazu trägt auch die Aufforstung unrentabler, magerer Äcker oder die Umwandlung in Grünland bei. Dort haben die Ackerwildkräuter keine Chance. 

Dreifelderwirtschaft – Schauacker

Ein Schauacker wird nach den Vorgaben einer historischen Wirtschaftsweise bestellt. Diese fördert die dort vorkommenden Ackerwildkräuter. Die Dreifelderwirtschaft stellt die Wirtschaftsform dar, nach der der Landersdorfer Schauacker bestellt wird. Im Wesentlichen versteht man darunter eine bestimmte Fruchtfolge: Auf den Anbau von Wintergetreide folgt im Jahr darauf die Einsaat von Sommergetreide. Nach der Ernte des Sommergetreides folgt ein Brachejahr, das der Bodenerholung und der Beweidung durch Tiere dient.

Ackerwildkrautschutz

Ackerwildkräuter existieren bei uns seit mehreren tausend Jahren. Erst in den letzten Jahrzehnten sind sie dermaßen in Bedrängnis geraten, dass man sich um den Fortbestand vieler Arten sorgen muss. Auf dem Schauacker werden Ackerwildkräuter bewusst gefördert, indem weder gedüngt noch gespritzt wird. Der Abstand der Saatreihen ist vergrößert, damit Licht auf den Boden fällt und auch genügend Platz für die Beikräuter ist. Durch die vorangegangene intensive Bewirtschaftung kamen einige Arten nicht mehr von selbst auf dem Acker vor. Deshalb wurden ausgewählte Arten mit regionalem Saatgut ausgesät. Der Erfolg dieser Maßnahme wird wissenschaftlich dokumentiert 

Kennenlernen von Ackerwildkräutern

Leider kennen viele Menschen heute kaum noch Ackerwildkräuter. Der Schauacker soll beim Entdecken der Pflanzenvielfalt helfen. Mit Steckschildern wollen wir über Merkmale und und Besonderheiten seltener und typischer Ackerwildkrautarten informieren. Die Schilder werden nach Bedarf gewechselt, damit in der Blühsaison der aktuelle Stand dargestellt ist.