Der Biber - Motor für die Gewässerrenaturierung

Diplom-Biologe Ulrich Meßlinger berichtete beim gemeinsamen Jahresvortrag der Kreisgruppen von Bund Naturschutz (BN) und Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Schwanstetten von seinen Untersuchungen in Biber-Revieren. Und es gab viele überraschende Ergebnisse zu hören.

Foto: BN

12.11.2018

 

Diplom-Biologe Ulrich Meßlinger berichtete beim gemeinsamen Jahresvortrag der Kreisgruppen von  Bund Naturschutz (BN) und Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Schwanstetten von seinen Untersuchungen in Biber-Revieren.  Und es gab viele überraschende Ergebnisse zu hören.

Der vor gut 100 Jahren wegen seines Felles, Fleisches und Duftsekretes (Bibergeil) ausgerottete bayerische Ureinwohner hat sich in den vergangenen 40 Jahren seinen Lebensraum zurückerobert. Heute leben wieder 16000 bis 20000 Biber in Bayern, etwa 400 -500 davon im Landkreis Roth und der Stadt Schwabach. Meist liest man über den Biber nur von unterhöhlten Ufern, überschwemmten Äckern, gefressenem Mais und gefällten Bäumen.

Zwischen drei und sieben Cent pro Einwohner in Bayern machen die gemeldeten Schäden aus, wie Meßlinger vorrechnete. Einen Großteil der Schäden gleiche der Freistaat aus. Außerdem könnten so genannte Problem-Biber nach Genehmigung „entnommen“ und getötet werden: 2017 waren es im Landkreis 15 Biber, in ganz Bayern weit über 1000. „Andere Bundesländer und Nachbarländer sind da deutlich zurückhaltender“, sagte Meßlinger. Das sei verständlich, da den Kosten ein Vielfaches an Nutzen gegenüber stehe. Schließlich würden Biber für eine kostengünstige Umsetzung aufwändiger staatlicher Pflichtaufgaben im Natur- und Gewässerschutz sorgen.

Meßlinger berichtete von einem Fall an der Donau, wo sich die Kosten für Rückhaltebecken wegen der Arbeit des Bibers um mehrere hunderttausend Euro reduziert hätten. Biber-Dämme förderten die Grundwasserbildung und verzögerten den Abfluss, was zu schwächeren und selteneren Hochwassern in Biber-Revieren führe, wie Untersuchungen in Belgien und den USA gezeigt hätten. Und, für manche überraschend, es steigt der jagdliche und fischereiliche Wert in Biber-Revieren: „In Wyoming war die Zahl der Enten an Gewässern mit Bibern 75 Mal höher als im Vergleich zu biberfreien Gewässern.“

Das Landesamt für Umwelt und der Landesfischereiverband hätten eine bis zu 80-fach erhöhte Fischdichte an Biber-Burgen gemessen. Auch die Artenvielfalt von Vögeln, Libellen, Fröschen und Molchen nehme in Biber-Revieren zu. Der Biber ist also Motor der Renaturierung von Gewässern und Auen.

Meßlinger zitierte als Unterstützer den ehemaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber: „Die Wiederherstellung natürlicher Retentionsräume und Feuchtflächen dient dem Hochwasser- und Artenschutz gleichermaßen.“ Für Meßlinger ist der Biber „die Schlüsselart für Gewässerökosysteme“. Seine Erkenntnisse zeigen ihm, dass der Schweizer Forscher Maurice Blanchet recht habe: „Ein Bach ohne Biber ist kein Bach.“