BN besuchte Agroforst-Botschafter Matthias Maile
Seit einigen Jahren besucht die Kreisgruppe Roth des Bund Naturschutz (BN) ausgewählte Bauernhöfe im Landkreis und kommt dabei mit den Menschen ins Gespräch, die unsere Landwirtschaft prägen. Diesmal waren die Naturschützer bei Matthias Maile in Hausen zu Gast. Als Agroforst-Botschafter in Bayern setzt er sich für eine zukünftige Landwirtschaft ein.
Im ehemaligen Kuhstall der Familie Maile begrüßte BN-Kreisvorsitzende Beate Grüner die interessierten Mitglieder zur Veranstaltung, welche mit einer Dauer von vier Stunden vollen Einblick und Informationen in und um die Geschichte des Hofs bot. Matthias Maile, geboren 1993, hatte zunächst nicht vor den Milchviehbetrieb zu übernehmen. 2014 entdeckte er jedoch seine Begeisterung für die Landwirtschaft wieder. Heute führt Maile den Hof im konventionellen Nebenerwerb und hat auf Agroforst umgestellt. Was das konkret bedeutet, erläuterte er anhand einer Präsentation, wobei die Zuhörer*innen in ehemaligen Kinosesseln Platz nahmen. Agroforst verbindet verschiedene Formen der Landnutzung: etwa Tierhaltung und Grünland, Ackerbau oder Wald. Die Mehrfachnutzung des Bodens ist keineswegs neu und wird schon seit Jahrhunderten in verschiedenen Ausführungen praktiziert. Am bekanntesten sind Hutungsflächen und Streuobstwiesen. Neu ist die Kombination aus Ackerbau und Energieholz, Futteranbau und Wertholzbäumen, sowie Waldgärten im urbanen Raum. Maile ist überzeugt, dass durch die Klimaerwärmung Anpassungen in der Landwirtschaft unumgänglich sind.
Auf sechs seiner Äcker legte Matthias Maile neue Wiesen an, ergänzt durch Hochstamm-Obstbäume verschiedener Sorten und Hecken. „Kein vernünftiger Landwirt pflanzt eine Hecke an“, bemerkte er ironisch gegenüber den Naturschützer*innen. Seit acht Jahren schafft er in enger Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Roth und dem Landschaftspflegeverband Mittelfranken mehr Lebensräume und biologische Vielfalt in der Feldflur. Dass er dafür gute Ackerböden in Wiesen umwandelt und Bäume sowie Hecken pflanzt, können manche seiner konventionell wirtschaftenden Berufskolleg*innen nur schwer nachvollziehen. Maile sieht darin jedoch Vorteile für Natur und Landwirtschaft: Gehölze und Wiesen schützen vor Erosion, verbessern das Mikroklima, liefern Futter für die Nutztiere, fördern deren Wohlbefinden und tragen dazu bei, Kohlenstoff zu binden. Maile verschwieg keinesfalls, dass im Gegenzug dafür ein höherer Bewirtschaftungsaufwand und eine langfristigere Kapitalbindung erforderlich sind.
Auf seinem Betrieb setzt er auf Schalen-, Kern- und Steinobst sowie auf neue Kulturen wie Feigen und Kiwibeeren. Auch die Gredinger Mehlbeere hat er in stattlicher Zahl nachgezogen. „Der Bestand dieser endemischen Art ist gesichert“, sagte er zu Karl-Heinz Donth, Botaniker der BN-Kreisgruppe.
Zur praktischen Anschauung seiner Agroforstflächen führte Matthias Maile die Besucher*innen auf den Bucher Berg. Besonders auffällig sind dort die Hochstämme von Birn- und Walnussbäumen. Ihre Kronen beginnen erst in mehr als zwei Metern Höhe, sodass landwirtschaftliche Maschinen problemlos unter den Bäumen hindurchfahren können. Hinzu kommt ein Abstand zwischen den Pflanzenreihen. Dieser beträgt mindestens 17 Meter. Die Hecken dienen als Windschutz und müssen vor Verbiss geschützt und eingezäunt werden.
Unterstützt wird Maile von seinem Vater Leo. Als Agroforst-Botschafter in Bayern steht er zudem weiteren Interessierten als Ansprechpartner zur Verfügung. Nach der Exkursion hatten seine Schwester Johanna und Johanne Ehrenfels, die gemeinsam die BN-Ortsgruppe Hilpoltstein leiten, ein Buffet vorbereitet. Es bot zahlreiche Walnuss-Spezialitäten: eingelegte schwarze Walnüsse, verschiedene Aufstriche, Walnussschokolade und -kuchen sowie Dattelkugeln, Feigen und gedörrte Apfelringe.
Da das Wissen über Walnüsse in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg weitgehend verloren gegangen war, informierte sich Matthias Maile zunächst in den USA. Von dort stammt auch der Nussknacker für besonders schwer zu knackende Früchte wie die schwarze Walnuss. An dem kleinen Gerät zeigte Leo Maile, wie sich Walnüsse möglichst effektiv öffnen lassen, sodass der Kern idealerweise in zwei Hälften heraus kommt.
Zum Ende gab es einen Abstecher in den Gartenbereich. Hier weiden momentan 20 Muttertiere des Krainer Steinschafs die Wiesen mit den Apfel-, Birn- und Speierlingsbäumen ab. Die Früchte des Speierlings werden mitunter Säften oder Most zugesetzt – etwa dem Äppelwoi. Roh schmecken die kleinen Früchte dagegen nur wenigen.
Weitere Informationen sind im Internet unter DeFAF e.V. abrufbar.


