Ein Leben ohne Plastik ist möglich

Großer Andrang bei Vortrag in Roth

Nadine Schubert hat eine Mission, seit sie vor vier Jahren einen Fernsehbeitrag über Mikroplastik in Zahnpasta, Weichmacher in Wasserflaschen und Plastikmüll in den Weltmeeren gesehen hat. "Da habe ich mir Gedanken gemacht“, so Nadine Schubert. Seitdem versucht sie Plastik zu vermeiden.

Nadine Schubert (Foto: Lea Schreiber)

09.05.2017

Nadine Schubert hat eine Mission, seit sie vor vier Jahren einen Fernsehbeitrag über Mikroplastik in Zahnpasta, Weichmacher in Wasserflaschen und  Plastikmüll in den Weltmeeren gesehen hat. "Da habe ich mir Gedanken gemacht“, so Nadine Schubert. Seitdem versucht sie Plastik zu vermeiden. In Roth sehen  das an diesem Abend viele Leute genauso. Der Saal ist voll, es müssen extra Stühle aufgestellt werden, so groß ist der Andrang. Gut einhundert Zuhörerinnen und Zuhörer  sind gespannt auf den Vortrag.

Sehr  viel Kunststoff landet im Meer, Millionen Tonnen. Viele Tiere sterben, weil sie Müll verschlucken oder sich darin verfangen. Außerdem gelangen winzige Kunststoffteilchen (genannt Mikroplastik, das unter anderem in vielen Duschgels und Kosmetika enthalten ist) in die Ozeane - so kann es passieren, dass diese Teilchen sich in verschiedenen Organismen anreichern, die wiederum als Nahrung auf den Tellern der Menschen landen.

Deshalb sind mittlerweile Plastikteilchen weit verbreitet: „Wir essen Plastik, wir trinken Plastik, wir atmen Plastik“, sagt Nadine Schubert.

Für die Mitter von zwei Kindern  Grund genug, keine Produkte mit Plastikverpackung zu kaufen. Beim Metzger bringt sie ihre Dose mit - aus  Edelstahl - und lässt sich die Wurst direkt hineinlegen. Und im Supermarkt packt sie Obst und Gemüse lose in einen Stoffbeutel, das geht genauso. „Auf manche Dinge, die es nur in Plastik verpackt gibt, verzichte ich. Aber damit kann man leben“, so die Autorin.

Es gibt viele Dinge, die sich leicht umsetzen lassen. Immer zuerst in der Küche anfangen. Milch und Joghurt gibt es auch im Glas, statt Plastik. Oft steht das Produkt, das man ohne Kunststoffverpackung sucht, gleich neben dem, das in Plastik verpackt ist, wie  z.B. bei Ketchup, Senf und Honig. Obst und Gemüse lose statt abgepackt kaufen. Und bitte kein Duschgel mehr verwenden, sondern zum Stück Seife greifen.

Viel Plastik – Mikroplastik oder flüssiges Plastik – ist in Duschgels, Haarshampoo und kosmetischen Produkten enthalten. „Das geht alles in die Kläranlage und dann in die Flüsse und ins Meer“. Auf solche Produkte sollte man auf jeden Fall verzichten. Der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) hat einen Einkaufsführer dazu herausgebracht. Er ist auf der Homepage der BN-Kreisgruppe Roth verfügbar (www.roth.bund-naturschutz.de) . Sie selbst verwendet zum Duschen und Haare waschen gute Körper- und  Haarseifen.

Vieles macht Nadine Schubert inzwischen selbst: Waschmittel aus Kastanien, Efeu oder Kernseife, Putzmittel. Man braucht nur wenige Hauptzutaten wie Kernseife, Waschsoda und Zitronensäure oder Essigessenz, um vieles selber herzustellen. Immer wieder gibt sie Rezepte durch und die Zuhörerschaft notiert fleißig.

Auch ihr Körperpeeling oder selbst die Wimperntusche macht sie selbst. Die Wimperntusche  in dem Gläschen, das sie im Saal herumgibt, riecht nach verbrannten Mandeln. Sie besteht auch  hauptsächlich aus verbrannten Mandeln. Nadine Schubert röstet sie in der Pfanne, bis sie richtig schwarz sind, zerstampft sie im Mörser und rührt Vaseline und etwas Speisestärke dazu. Das Gläschen mit der schwarzen Paste steht im Badezimmer, das Bürstchen hat sie aufgehoben.

Und noch ein Tipp: Langsam anfangen! Kein Haushalt ist über Nacht plastikfrei. Jeder sollte da anfangen, wo es ihm am leichtesten fällt. Zwei,  drei Schritte für den Anfang vornehmen. Dann die nächsten drei ins Auge fassen. Alles Plastik wegzuwerfen wäre nicht nachhaltig. Deshalb vorhandene Schüsseln ruhig weiterhin verwenden, bei Neuanschaffungen aber auf eine kunststofffreie Variante achten.